Spende aus Frankfurt für bergsträßer Wohnungslose

Internationale Hilfsorganisation überbringt Bensheimer Förderverein Kleidung und Schokolade

Der Förderverein Hilfen für Wohnungslose e.V. mit Sitz in Bensheim wurde jetzt mit einer großen Sachspende bedacht. Am Dienstag übergaben Vorstandsmitglied Angelika Franke und Logistikchef Felix Groh von der humanitären Organisation Luftfahrt ohne Grenzen/Wings of Help e.V.  aus Frankfurt eine große Anzahl neuer Trainingsanzüge, Corona-Gesichtsmasken, neue Poloshirt/, T-Shirts, Socken, Mützen, Jacken, Schals und zusätzlich größere Mengen Schokolade an Elke Ditter und Helmut Hörtler vom Vorstand des Fördervereins. Björn Metzgen als Leiter des Zentrums für Wohnungslose am Weidenring nahm diese Spenden gern entgegen und gab sie gleich zur Verteilung an die Hausbewohner weiter.

Gerade in einer Zeit, in der so Vieles eingeschränkt ist, ist für die Menschen, deren „Zuhause“ lediglich ein Bett und evtl. noch ein Zimmer ist, eine solche Gabe Wertschätzung und Hilfe zugleich.

Luftfahrt ohne Grenzen/Wings of Help e.V. mit Sitz am Frankfurter Flughafen ist ein Verein, der weltweit Menschen in Not hilft. Dabei werden unmittelbar notleidende Kinder und Familien nach Natur- und humanitären Katastrophen sowie der Transport medizinischer Notfälle aus aller Welt zu ärztlicher Behandlung nach Deutschland als Aufgaben angesehen. Auch in der eigenen Region, im Rhein-Main-Gebiet, kümmert sich die Organisation um Bedürftige, etwa in Frankfurt oder Mainz – und hat dabei auch die Bedürftigen an der Bergstraße nicht vergessen. 

 Neben zahlreichen Hilfsprojekten weltweit, unter anderem in Haiti/Pakistan (Erdbeben), Myanmar/Indonesien/Japan (Tsunami), Syrien/Irak/Griechenland (Flüchtlinge) und Mosambik (aktuelle Zyklon-Katastrophen), baut die Organisation für Kinder und Jugendliche Computerschulen auf, wie etwa in Myanmar, Nepal, Puerto Rico und Kurdistan. Das Credo: Bildung ist die nachhaltige Basis junger Generationen, die über elektronische Medien neue Perspektiven und Chancen erhalten und somit Zugang zum Rest der Welt finden. Die im Jahr 2003 gegründete gemeinnützige und mildtätige Hilfsorganisation arbeitet mit Fluggesellschaften, Logistikfirmen und einer Vielzahl renommierter deutscher und global engagierter Unternehmen zusammen. In den 17 Jahren, seit Gründung, hat Luftfahrt ohne Grenzen/Wings of Help e.V. schnell und unbürokratisch Hilfsgüter, Lebensmittel und dringend benötigte pharmazeutische Präparate im Gesamtwert von über 120 Millionen Euro und einem Volumen von mehr als 6.000 Tonnen zu notleidenden Menschen auf allen Kontinenten gebracht.

Elke Ditter, Vorstandsvorsitzende des Fördervereins im Interview mit einem Vertreter von Wings of Help

Spende für Wohnungslose

Der Förderverein Hilfen für Wohnungslose e.V. freut sich zum Jahresende über eine Spende für die Einrichtung des Zentrums, in dem die Wohnungslosen übernachten und auch lernen können, wieder im eigenen Hausstand zu leben.

Alex Tempels, Generalvertreter der Signal Iduna mit Sitz in Grasellenbach, hatte im Freundeskreis über seine Bereitschaft gesprochen, dieser Personengruppe eine Spende zu kommen zu lassen. Er hat bereits Kontakt zu ähnlichen Stellen im Odenwald  und möchte hier an weiterer Stelle helfen.

Isabell Ehrhardt, Vorstandsmitglied im Förderverein Hilfen für Wohnungslose e.V., hat sofort reagiert. Das Zentrum wird seit 20 Jahren bewohnt, die Wiedereingliederungsappartement sind also seit 20 Jahren mit wechselnden Bewohnern belegt. Sowohl die Küchen als auch die einfachen Möbel müssen dringend ersetzt werden. Mit einer Spende in dieser Höhe kann ein Appartement wieder neu bestückt werden.Björn Metzgen, der Leiter des Zentrums, hat Kostenvoranschläge in Auftrag gegeben. Der Förderverein freut sich sehr, mit dieser Spende hier helfen zu können.

Elke Ditter (links), Vorstandsvorsitzende des Vereins empfängt die Spendenzusage von Alex Tempels (rechts)

Bensheim, Februar 2021

Vorstand des Förderverein Hilfen für Wohnungslose dankt allen Spendern und Unterstützern

Zum Jahresende bedankt sich der Förderverein Hilfen für Wohnungslose e.V. für die große Unterstützung, die gerade in den letzten Wochen dem Verein zuteil wurde.

Viele Menschen sind dem Aufruf im November gefolgt und haben uns mit Decken, Zelten, Iso-Matten, Lebensmitteln, Hygieneartikeln und finanziellen Mitteln unterstützt. Die gemeinsame Weihnachtsgeschenkaktion konnte durch die Vermittlung von Harry Hegenbarth mit großzügigen Spenden sowohl des Inner Wheel Club Bensheim-Lampertheim in Höhe von € 1.000,–  als auch des Rotaryclubs Bensheim/Heppenheim in Höhe von € 6.000,– in Angriff genommen werden. Dafür danken wir ganz herzlich.

So war es möglich, 200 Rucksäcke reichlich zu füllen, die dieses Jahr als Geschenke an wohnsitzlose Menschen verteilt werden und die bisherige Weihnachtsfeier ersetzt hat. Die traditionelle Weihnachtsfeier musste aus aktuellem Anlass leider abgesagt werden. Auch allen Einzelspendern sagen wir unseren Dank!

Alternativprogramm zur traditionellen Weihnachtsfeier – von rechts nach linke: Bernd Koch, Vorsitzender Rotary Club Bensheim/Heppenheim; Dr. Rolf Schwabenland, Rotary Club Bensheim/Heppenheim; Harry Hegenbarth vom Team Showmaker,, Stefan Steinhoff, Rotary Club Bensheim/Heppenheim; Björn Metzgen-Meuer,Leiter des Zentrums für Wohnungslose in Bensheim; Siegfried Heinz, Rotary Club Bensheim/Heppenheim; Doris Mäurer, Vorsitzende von Inner Wheels Bensheim-Lampertheim; Elke Ditter, Vorsitzende Förderverein Hilfen für Wohnungslose. Mit der freundlichen Genehmigung von Thomas Neu/Fotograf
200 Rucksäcke reichlich gefüllt mit Dingen des täglichen Bedarfs aber auch einem Essensgutschein, einlösbar in verschiedenen Imbissen und Lokalen, ein Tütchen Tabak, Taschenwärmer, Wollsocken und Weihnachtsplätzchen (u.a.). Bei der Befüllung wurde aber darauf geachtet, dass der Inhalt für drei verschiedene Zielgruppen adäquat kombiniert ist. Beschenkt werden Menschen ohne Wohnung, Personen in prekären Wohnungssituationen und bedürftige Familien.

Die nächste Aufgabe des Vereins wird die Neueinrichtung der Wiedereingliederungsappartements sein. Diese Kleinwohnungen helfen, sich wieder an Wohnen in separaten Räumen zu gewöhnen. Das Haus wurde vor 20 Jahren bezogen. Ein Austausch der bisherigen Möbel ist nach Auskunft der Diakonie dringend nötig. Das neue Jahr wird neue Herausforderungen bringen, die hoffentlich genauso wie in der Vergangenheit gemeistert werden.

Mit einer Unterstützung aller ist auch das bestimmt möglich.

Fotopilotprojekt des Förderverein Hilfen für Wohnungslose e.V

„Meine Lebenswelten -meine Perspektive“ – unter diesem Motto steht ein Fotoprojekt des Förderverein Hilfen für Wohnungslose eV. Dieses partizipative Projekt macht den Menschen ohne Obdach und Wohnung oder den Menschen in anderen prekären Lebens -und Wohnsituationen zum kreativen Gestalter, indem sogenannte wieder verwendbare „Simple Use Kameras“ an sie ausgehändigt werden. Mit diesen Kameras sollen sie ihren Alltag abbilden und so authentische und individuelle Eindrücke ihrer Lebenswelten und ihres Alltags vermitteln. In zwei Phasen sollen insgesamt 30 Kameras ausgehändigt werden. Die erste Phase mit zehn Kameras ab Dezember 2020 und die zweite Phase im Frühjahr/Frühsommer 2021 mit 20 Kameras. Anstoß zu dem Projekt hatte ein Mitglied des Fördervereins, selbst begeisterter Analogfotograf und auch Mitglied der Lomografischen Gesellschaft AG/Wien, die die Kameras für dieses Projekt spendete (www.lomography.de/homes www.lomography.com ). Die ersten Kameras wurden bereits verteilt (siehe Fotos):

Michael Bensch (links) und Marcus Veith (rechts) waren sofort mit Begeisterung dabei!
Monja Kessler freut sich riesig, bei dem Pilotprojekt mitzumachen. „Das ist was für meine kreative Ader“, so Monja.
(Fotos by: R. Müggenburg; Copyright)

Eine Ausstellung der einzelnen Werke ist für 2021 geplant.

Wohnunglose unterstützen

November 2020

Wie bereits informiert fällt der schon seit 1997 traditionelle Info-Stand des Fördervereins Hilfen für Wohnungslose im November aus aktuellem Anlass leider aus. Viele Menschen in Bensheim haben diesen Termin schon erwartet, auch um Kleidung zu spenden. Das Zentrum der Diakonie, in dem die Kleidung sortiert und ausgegeben wird, hat zurzeit keine Möglichkeit, weitere Kleidungsspenden anzunehmen. Es wird also gebeten, die Kleidung im Moment auch nicht im Zentrum abzugeben.

Was allerdings dringend benötigt wird sind Dinge, die zum Draußenleben und -schlafen benötigt werden:

  • Zelte, Isomatten, Schlafsäcke
  • Wolldecken, Campingkocher und Töpfe
  • Gaskartuschen, Reiserucksäcke, Outdorequimpment
  • Notfallernährung, lagerfähige Lebensmittel, Konserven
  • Kaffee, Tee, H-Milch
  • Zucker, Schokolade, Tabak
  • Hygieneartikel, Rasierer, Rasierschaum
  • WLAN fähige Endgeräte, Smartphones, Tablets, Powerbanks.

Das Zentrum der Wohnungslosenhilfe, Am Weidenring 35 bittet um telefonischen Kontakt unter 06251/58480, damit aufgrund der Besuchseinschränkungen eine kontaktlose Übergabe organisiert werden kann. Der Förderverein steht ebenfalls zur Verfügung: mit der Vorsitzenden Elke Ditter kann unter Telefon 06251/789780 Kontakt aufgenommen werden.

Weitere Info unter: http://www.diakoniebergstrasse.de/zentrum-der-wohnungslosenhilfe/

Sozialpreis für die Wohnungsnotfallhilfe

BERGSTRASSE Nach dem Sozialpreis der Jusos Bergstraße für die Schülerbetreuung der Wingertsbergschule Lorsch (wir haben berichtet) hat nun auch die Wohnungsnotfallhilfe diese Auszeichnung der Jungsozialisten erhalten. Damit würdigt die Nachwuchsorganisation der SPD bereits im fünften Jahr Projekte und Initiativen, die sich in besonderer Weise um integrative, soziale oder bildungsorientierte Belange kümmern, heißt es in einer Pressemitteilung. In diesem Jahr wurde die Ehrung erstmals aufgeteilt. Wohnungsnotfallhilfe und Schülerbetreuung konnten sich jeweils über 150 Euro Preisgeld freuen.

Bewusstsein stärken

Wir wollen mit dem Sozialpreis unsere Wertschätzung gegenüber der Arbeit im Zentrum der Wohnungslosenhilfe zum Ausdruck bringen und das Problembewusstsein für das Thema Wohnungslosigkeit stärken“, sagte der Juso-Vorsitzende Philipp Ofenloch beim Besuch in den Räumen der Einrichtung der Diakonie Bergstraße in Bensheim. Zu Gast waren dabei auch der SPD-Kreisvorsitzende Marius Schmidt und Landtagsabgeordnete Karin Hartmann. Im Zentrum der Wohnungslosenhilfe wird Durchwanderern eine Übernachtungsmöglichkeit geboten und entschlossenen Aussteigern die Chance zum Wiedersesshaftwerden geboten.

Bei einem kleinen Rundgang durch die Einrichtung informierte Björn Metzgen-Meurer, Leiter des Zentrums, das Hilfsangebot. „In unserem Haus befinden sich eine Tagesaufenthaltsstätte, sechs Mehrbettzimmer zum Übernachten, zehn Einzel-Appartements zur Wiedereingliederung, ein Beschäftigungs-Projekt in der Landschaftspflege für die Stadt Bensheim und die Fachberatungsstelle“, erklärte Metzgen-Meuer. Eines der Zimmer im Übernachtungshaus ist für Frauen vorgehalten, ein weiteres für Durchwanderer mit Hund, und ein Zimmer für kranke und körperlich beeinträchtigte Übernachtungsgäste.

Die Mitarbeiter des Sozialdienstes im Haus stehen den Besuchern für Einzelgespräche zur Verfügung und helfen bei Fragen und Problemen. „Wir versuchen Arbeit zu vermitteln und helfen bei der Wohnungssuche, was sich oft als schwierig herausstellt. Nicht zuletzt auch, weil sozialer Wohnraum an der Bergstraße für diesen Personenkreis nicht vorhanden ist“, so Metzgen-Meurer.

Darüber hinaus unterstützt das Zentrum der Wohnungslosenhilfe beim Kontakt mit Ämtern oder der Realisierung von Sozialhilfe-rechtlichen Ansprüchen. Mit dem Angebot der stationären Wiedereingliederung bietet das Zentrum der Wohnungslosenhilfen zudem Wohnungslosen eine Möglichkeit, sich im Rahmen einer Wiedereingliederungsphase über die Dauer von bis zu zwei Jahren für ein ganz normales Leben in der Gesellschaft fit zu machen. Hierfür stehen in der Einrichtung 14 Plätze zur Verfügung.

Ein ernsthaftes Problem

Die Genossen sehen sich durch ihren Besuch in der Wohnungsnotfallhilfe vor allem in einer Sache bestätigt: Auch im Kreis Bergstraße gibt es zu wenig bezahlbaren und sozialen Wohnraum. „Wohnungsnot ist ein ernsthaftes Problem in unserer Gesellschaft. Daher müssen wir den öffentlich geförderten Wohnungsbau ausbauen und die Zahl preisgebundener Wohnungen im Kreis Bergstraße wieder erhöhen“, so Ofenloch abschließend. red

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 09.11.2018

Ohne Geld durch Bensheim

STADTRUNDGANG DER ETWAS ANDEREN ART DIE CITY AUS DEM BLICKWINKEL DER WOHNUNGSLOSEN

Bensheim am Samstagmittag. Trubel in der Innenstadt. Volle Einkaufstüten, volle Cafés und satte Passanten. Nur in den Mülleimern findet sich wenig, was sich zu Geld machen lässt. Wenigstens ein paar ausgedrückte Kippen lassen sich noch verwerten.

Aus dem Blickwinkel eines Wohnungslosen oder Bedürftigen sieht die Stadt etwas anders aus. Ein Rundgang mit dem Leiter des Zentrums der Wohnungslosenhilfe öffnet die Augen.

Björn Metzgen-Meuer war lange Streetworker in der Stadt. Er kennt die Nischen, in denen sich das etwas andere Bensheim abspielt. Am Samstag lud der Diplom-Sozialarbeiter vom Diakonischen Werk ein, sich mit ihm auf Spurensuche zu begeben. Von der Fußgängerzone ging es bis in die Weststadt. Mitveranstalter war das Diakonische Werk Bergstraße.

„Die Wege können lang werden in Bensheim“, kündigte er in der Hauptstraße an. Wo andere in Schaufenster gucken, warf die Gruppe einen Blick in die Mülleimer. Wer kein Geld hat, sucht dort nach Pfandflaschen und Dosen, die sich in den Automaten in ein paar Cent  verwandeln lassen. Nichts zu finden. Um zwölf Uhr ist es längst zu spät. Die Sammler touren früh.

Auch Tabak ist begehrt. Vor einem Café in der oberen Fußgängerzone nimmt Björn Metzgen-Meuer einen Aschenbecher und holt eine Kippe heraus. Vor dem Filter ist meistens noch etwas Resttabak. Er reißt das Papier auf und bröselt ein paar Krümel auf die Hand. „Das heißt Stippen.“ Irgendwann, nach 15 oder 20 Ex-Fluppen, hat man so viel Tabak, dass man daraus eine Zigarette drehen kann. Genuss ist anders. Doch wer in Armut lebt, lernt zu improvisieren.

Station am Bensheimer Bahnhof. Pfützen in der Tiefgarage. Nicht alles ist Regenwasser. Hier wird insbesondere im Winter gern Platte gemacht. Das bedeutet: einen provisorischen Platz für die Nacht herrichten. Meistens in Parks, auf Bänken oder unter Brücken. Aber auch in Hauseingängen oder Parkhäusern. Sie bieten Schutz vor Frost und Nässe. Auch Arbeiter aus Ost- und Südeuropa campieren hier oft in ihren Autos, weil sie sich keine Wohnung leisten können, erklärt der Insider.

Auf dem Boden an einer Wand hocken obdachlose Menschen. In schmutzigen Säcken die wenigen Habseligkeiten. Ein altes Fahrrad, Bierflaschen. Sie kennen den Ex-Streetworker und fragen nach einer Zigarette. Die gesundheitlichen Folgen ihres Lebens sind unübersehbar. Im letzten Jahr hat das Zentrum der Wohnungslosenhilfe der Diakonie 296 Menschen betreut. Insgesamt wurden 5400 Übernachtungen registriert. In diesem Jahr dürften die Zahlen ähnlich aussehen. Doch nicht alle kommen in das Haus am Weidenring.

Nur wenige Meter weiter östlich, auf der anderen Seite der Autobahn, liegt der Badesee. Zwischen den Bäumen und Büschen schlagen hier gerade im Sommer viele ihre Zelte auf, so Björn Metzgen-Meuer. Auch ein leerstehendes Haus am alten Güterbahnhof dient als Lager für die Nacht. Die wichtigsten Voraussetzungen: Sicht- und Wetterschutz.

Am Beauner Platz ist es an diesem Samstag fast menschenleer. Früher war das ein beliebter Treffpunkt der Szene. Nachdem der Rewe-Markt im Neumarkt-Center dichtgemacht hat, war es auch mit einer nahen Getränkeversorgung Essig. Also zog man weiter. Der Treff war tot. „Keine Stammsteher mehr“, so der Sozialarbeiter. So nennt man Menschen, die zwar eine kleine, meist schlichte und abgelegene Wohnung haben, sich aber an bestimmten Orten mit anderen treffen, um zu reden und etwas zu trinken. „So entstehen Angsträume“, erklärt der ehemalige Streetworker.

Doch der Mensch ist ein Herdentier. Er braucht Kommunikation und soziales Miteinander so nötig wie ein regelmäßiges Essen. Lebensmittel verteilt die Bensheimer Tafel. Aber auch die Franziskaner in der Klostergasse kochen heiße Suppe für Menschen ohne Geld. Kostenlos. Die Stephanus- und die Laurentiusgemeinde verteilen Essensgutscheine. Eine Bensheimer Ehrenamtsinitiative lädt seit 2016 zum kostenlosen Mittagstisch ins Bürgerhaus ein. Rund 60 Personen nutzen das soziale Angebot regelmäßig.

Obst und Gemüse, Käse und Wein. Am Marktplatz sieht man volle Einkaufskörbe mit den feinsten Leckereien. Ein zentraler Ort, an dem auch gefeiert wird. Auch hier lädt der Zivilisationsmüll zum Hinsehen ein. Vergessene Pfandgläser vom Winzerfest, Flaschen und anderes, was sich irgendwie zu Geld machen lässt. Und: eine öffentliche Toilette. Hier kann man sein Geschäft erledigen und der Körperhygiene nachgehen. Waschgelegenheiten sind rar. tr (Bergsträßer Anzeiger 21.8.2017)